Am Dienstag, dem 12. Mai 2026, nahmen elf Schülerinnen aus dem bilingualen Differenzierungskurs in der Schule Natur an einer Schülerakademie zum Thema ‘Kräuter und Heilpflanzen – Zwischen Tradition und Moderne’ teil. Für die Bilis war der freiwillige Workshop-Tag im Grugapark vor allem als Vorbereitung auf den im Juni 2026 anstehenden Austausch mit der indigenen Gemeinschaft der Karen gedacht, mit der wir seit 2024 eine Schulpartnerschaft unterhalten. Schwerpunkt des diesjährigen internationalen Austauschs wird nämlich die Frage sein, welche Rolle altes Wissen spielt und wie es bewahrt werden kann.

Bei ihrer Ankunft im Schulungsraum lernten die Schülerinnen zunächst künftige Goethe-Bewohner kennen. Da die Essener Schule Natur aus Renovierungsgründen umziehen wird, werden die Dornschrecken, wandelnden Blättern und australischen Gespenstschrecken im nächsten Schuljahr ein neues Zuhause in der Goetheschule finden. Erst ein wenig skeptisch wurden die Insekten beäugt, als Biologin Gaby Borg vom Krefelder Zoo die Dornschrecken aus den Terrarien nahm. Schnell aber verloren die Schülerinnen die Scheu vor den Krabbeltieren, die während der Paarung auch zu zweit unterwegs sind: Die Männchen werden dann auf dem Rücken der deutlich größeren Weibchen getragen.



Danach begann der erste Workshop über Kräuter und Heilpflanzen mit einer Einführung in das Problem der Biopiraterie. Am Beispiel der Stevia-Pflanze erfuhren die Schülerinnen, wie große Konzerne aus der Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie indigenes Wissen und Pflanzen der Urvölker systematisch geraubt haben. Stevia wird heute als Süßungsmittel mit wenig Kalorien in vielen Produkten als Zuckerersatz verwendet, ohne dass die einheimische südamerikanische Bevölkerung, die Stevia ursprünglich angebaut hat, davon profitiert. Abhilfe sollte das Nagoya-Protokoll schaffen, ein internationales Umweltabkommen der Vereinten Nationen, das die Gewinne fair aufteilen sollte. Durch die finanzielle Beteiligung sollten indigene Gemeinschaften ihr Land behalten und ihre traditionelle Lebensweise fortführen können. Nagoya ist allerdings bis heute weitgehend freiwillig geblieben und wird von einigen Firmen durch digitalen Raub unterlaufen: Statt der Pflanzen oder ihrer Samen werden deren genetische Sequenzen in der Produktentwicklung verwendet.

In einem Rollenspiel versuchten die Schülerinnen eine konstruktive Verhandlung zwischen Vertretern von Indigenen, westlichen Firmen, NGOs und Konsumenten zu simulieren, nachdem sie Argumente für die jeweiligen Positionen gesammelt hatten.

Im zweiten Workshop ging es mit Bettina Igelbrink auf Entdeckungstour durch den Grugapark. Die Schülerinnen lernten Wildkräuter kennen, die vielerorts am Wegesrand wachsen, und früher in deutschen Klosterapotheken bei Schmerzen oder diversen anderen Beschwerden eingesetzt wurden oder denen magische Kräfte in Hexenritualen zugeschrieben wurden. Zum Verfeinern von Speisen wird beispielsweise Bärlauch verwendet, der gerade im Park in voller Blüte steht und auf keinen Fall mit dem giftigen Maiglöckchen verwechselt werden darf. „Kann man das essen?”, war daher die häufigste Fragen, die Frau Igelbrink beantworten musste, während sie Blätter und Wurzelstücke als Kostproben verteilte – immer auch gleich mit entsprechenden Erklärungen: „…wurde früher als Knoblauch-Ersatz verwendet!”, “… riecht nach Nelken” oder „… schmeckt eher langweilig, eben grün. Kann man aber essen.” Am meisten Respekt hatten die Schülerinnen vor dem Blauen Eisenhut, der giftigsten Pflanze Europas, die schon durch bloße Berührung Herzrhythmusstörungen auslösen kann und früher für so manchen Giftmord herhalten musste. „Diese Pflanze also bitte nicht streicheln!”
Zum Abschluss gab es noch einen Praxis-Workshop. Verschiedene Kräuter warteten in der Schule Natur darauf, von den Schülerinnen verarbeitet zu werden. Mit Hilfe eines Mörsers wurde Meersalz zerkleinert und nach eigenem Geschmack zum Beispiel mit Rosmarin oder Thymian verfeinert. So entstand selbst gemachtes Kräutersalz, das die Schülerinnen am Ende mit nach Hause nehmen durften. Nun heißt es abwarten, was die Karen aus Nordthailand über ihr altes Pflanzen-Wissen berichten werden, das bis heute auch in Märchen und Legenden weitergegeben wird.
Wir bedanken uns bei Regionalkoordinatorin Gabriele Seifert für die Organisation dieser Schülerakademie, bei wir gelernt haben, dass das vermeintliche „Unkraut” oft gar kein fades, unscheinbares Grün ist. Vieles, was bei uns wächst, ist eine kleine Schatzkammer – wenn man sie zu nutzen weiß.
Fotos: K. Heup, 2026



In einer Etage ging es vor allem um Fische und den weltweiten Fischhandel. Besonders interessant war das Foto eines Thunfischs: Viele Besucher wundern sich, warum ein Teil der Rückenflosse abgeschnitten wurde – dies geschieht, damit Händler die Qualität des Fisches besser beurteilen können.

Am 19. Februar 2024 hat der Biologie-Leistungskurs der Q1 an einer Exkursion zur Universität Duisburg-Essen mit einem individuellen Programm in den Fachbereichen Strukturelle und Medizinische Biochemie sowie Aquatische Ökosystemforschung teilgenommen.
Zu Beginn des Tages wurden aquatische Insekten in Kleingruppen mikroskopiert und im Zuge dessen auf ihre Art bestimmt. Einzelne Insekten durften sogar unter einem hochauflösenden Mikroskop fotografiert werden, welches später für interessante Bilder und schöne Andenken sorgte. Des weiteren wurde den Schüler*innen das Verfahren der Gelelektrophorese, einem molekularbiologischen Verfahren zur DNA-Analyse nähergebracht, indem sie einen Teil dieses Verfahrens – das Pipettieren von DNA-Sequenzen in die Taschen einer Gelplatte – selbst durchführen und später auswerten konnten.
Darüber hinaus lernten die Schüler*innen die Methode des DNA-Barcoding kennen. Aus Flusswasser extrahierter und später vervielfältigter DNA, werden DNA-Basensequenzen sequenziert und zur Artenbestimmung in eine Datenbank eingegeben. So sollten die Schüler*innen DNA-Basensequenzen in besagte Datenbank eingeben, welche millionenfache Vergleiche durchläuft, um die übereinstimmende Basensequenz zu finden und so die zutreffenden Lebewesen zu bestimmen.

Das Verfahren der Gelelektrophorese haben die Schüler*innen in einer weiteren Exkursion am 13. Juni 2024 zur Ruhr-Universität Bochum vertiefen können, indem sie diese in Kleingruppen unter Anleitung selbst durchführen durften. So konnte das gelernte aus der ersten Exkursion und aus dem Unterricht in die Praxis übertragen werden.
Zunächst reichte noch eine große Ikea-Box. In dieser entstand über mehrere Wochen ein ganzer Wasserkreislauf mit einem kleinen See, Bachlauf, Wasserfall, Filter und Pumpe und das alles nur aus vielen kleinen Steinen, Aquaristik-Bauschaum und Haushaltsutensilien. Mit etwas Substrat und einigen tropischen Pflanzen konnte so auch schon der optimale Lebensraum für unsere Krabben gedeihen, doch damit das Klima auch passt, mussten wir noch einiges ergänzen. Mithilfe eines Lötkolbens und ein wenig Klebstoff sorgte nach kurzer Zeit eine Lampe im Deckel für optimales Licht, ein Ventilator für eine gute Belüftung und ein Heizstab für die richtige Temperatur.
Wasser und so entstand aus einem weiteren Aquarium ein Anbau. In vielen Freistunden schnitten wir ein passendes Loch in das Glas, bauten einen Übergang und dichteten schließlich alles mit Silikon ab, um den zuvor noch verhältnismäßig kleinen See zu einem ganzen Meer für die Krabben zu verwandeln und dass diese ihren neuen Lebensraum auch schon nach wenigen Tagen vollständig beanspruchten, war der beste Lohn für all die Mühe. Zu diesem Zeitpunkt überstieg unser Einsatz schon jegliche Unterrichtsvorhaben, doch wir wollten immer noch mehr schaffen. Neben vielen weiteren, kleineren Terrarien wurde unser Interesse ebenfalls zunehmend von der Aquaristik geweckt, weshalb wir uns dazu entschieden, ein richtiges Aquarium zu entwickeln. Gesagt, getan – aus unserer Idee wurde schnell ein richtiges Guppy-Paradies mit neuen Pflanzen, kleinen Garnelen und sogar einem Blubber-Blasen-Vulkan, der das Ganze wie eine Unterwasserwelt aus einem Zeichentrickfilm wirken lässt.
haben zum ersten Mal eine Spinne gefüttert oder dabei zugesehen, wie sich ein Riesentausendfüßler langsam häutet. Mit der Zeit wurden wir zu Experten für Luftfeuchtigkeit, Lichtverhältnisse und Temperaturzonen – und wir merkten schnell, was passiert, wenn man eines davon mal vergisst. Es gab Momente, in denen wir improvisieren mussten: wenn Technik ausfiel, Tiere plötzlich Nachwuchs bekamen oder Pflanzen völlig anders wuchsen als gedacht. Doch genau das machte unser Projekt lebendig – und mit jedem neuen Bewohner, jeder Pflanze und jeder Herausforderung wuchs nicht nur unser Terrarium, sondern auch unser Wissen, unsere Geduld und unser Staunen.
Dieses Projekt bedeutete aber lange nicht nur Ökologie verstehen. Natürlich war es unbeschreiblich zu begreifen und zu erleben, wie die Dornschrecken schlüpfen, neue Blüten aufbrechen, Guppys ihre Farben entfalten und Krabben mit ihren kleinen Scheren Hafer fressen. All dies und noch vieles mehr machte das theoretische Wissen des Unterrichts absolut greifbar, doch das Projekt brachte auch viele andere Aspekte mit sich – Wie verbinde ich Glas und Plastik wasserdicht? Wie schneide ich Stahl und Glas erfolgreich? Wie erreiche ich Statik? Und wie löte ich Platinen, Stromquellen und Verbraucher funktionsfähig zusammen? Solche handwerklichen Herausforderungen waren ebenso Bestandteil des Projekts und brachten ganz neue Ebenen von Wissen mit sich.


Am Dienstag besuchten Deutsche und Franzosen gemeinsam das Fußballmuseum in Dortmund und waren anschließend im Georg-Melches-Stadion von Rot-Weiss Essen zu Gast. Hier durften die Schüler nicht nur auf die Tribüne und in die Umkleide, sondern sie lernten auch einiges über die Geschichte des Sports im Ruhrgebiet. Habt Ihr zum Beispiel gewusst, dass eine Spielpause im Fußball heute 15 Minuten dauert, weil solche kurzen Pausen schon unter Bergarbeitern während ihrer harten Arbeit unter Tage üblich waren?

