Auszeichnung für Nachhaltigkeit

Angekommen! Die Auszeichnung für nachhaltige Bildung hat nach der offiziellen Verleihung durch das Land NRW in der letzten Woche inzwischen ihren Weg nach Essen gefunden. Als einziges Essener Gymnasium darf sich die Goetheschule über eine Urkunde, ein Schild und ein Banner freuen, die symbolisch dafür stehen, dass sich Schülerinnen und Schüler im letzten Jahr intensiv mit den Bildungs- und Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen auseinandergesetzt haben.

Frau Barbara Wolf, Fachbereichsleiterin der Gleichstellungsstelle Essen (Mitte), und die stellvertretende Leiterin, Diplom-Sozialarbeiterin Christiane Volkmer (Zweite von rechts), statteten der Schule aus diesem Anlass am Dienstag, dem 20.9.2022, einen Besuch ab. Gemeinsam mit Schulleiterin Dr. Nicola Haas sahen sie sich das Interview an, das Jakub, Mieke, Marlene und Carla aus der Jgst. 10 im Essener Rathaus geführt hatten.

Thema des Interviews mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Essen war Geschlechtergerechtigkeit (Nachhaltigkeitsziel 5 der UN-Agenda). Im Projekt Just Justice?! – Ganz einfach Gerechtigkeit?! hatten die Schülerinnen und Schüler im letzten Jahr neben der Gleichstellungsstelle Essen auch mit einer türkischen Partnerschule zusammengearbeitet.

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In diesem Schuljahr führt die aktuelle Jahrgangsstufe 9 das Projekt mit eigenen Schwerpunkten fort. Unter dem Motto “Just Justice – Gerechtigkeit für alle!?” haben sie am Dienstag, dem 20.9.22, einen Online-Austausch mit einer Partnerschule in Uganda begonnen. Workshop-Leiter Bongani Makhubela aus Südafrika (unten Mitte) bereitete die Schülerinnen und Schüler im englischen Zweig auf die ersten Gespräche mit Gleichaltrigen vor.

Was daraus für die Zukunft wird? Am Freitag, dem 23.9.22 werden Lehrerinnen und Lehrer Konzepte zur künftigen (Weiter)Entwicklung der Schule besprechen. Parallel dazu wird es sicher auch Ideen und Wünsche von Schülerinnen und Schülern geben. Sie waren es schließlich, die 2021 den Anstoß gegeben haben, damit die Goetheschule sich heute zu den “Schulen der Zukunft” zählen darf.

Austausch mit Uganda

Die Schülerinnen und Schüler, die in Jgst. 9 Geschichte, Erdkunde und Politik in englischer Sprache gewählt haben, haben am Dienstag, dem 20.9.22, einen Online-Austausch mit der Gulu Central High School in Uganda zum Thema “Just Justice? – Gerechtigkeit für alle?” begonnen. Einige der Fragen, die die Schülerinnen und Schüler mit Gleichaltrigen besprechen werden, lauten: “Wie sieht die Situation von Mädchen und Jungen, Frauen und Männern in unseren Ländern aus?”, “Welche Rollenerwartungen gibt es?”, “Wie geht man mit Konflikten durch Ungleichbehandlung um?”.

Zum Auftakt kam Herr Makhubela aus Südafrika in den Unterricht und bereitete die Schülerinnen und Schüler auf den Online-Austausch vor. Herr Makhubela arbeitet als englischsprachiger Workshop-Leiter für „CHAT der WELTEN“ (CdW) und betreut dort speziell den Austausch zwischen Afrika und Europa.

CdW sagt über sich: „CHAT der WELTEN-Projekte bringen Menschen weltweit in einen Austausch und fördern ein gemeinsames Lernen mit- und voneinander. Nach dem Motto „miteinander statt übereinander sprechen“ tauschen sich Jugendliche aus Deutschland mit Gleichaltrigen aus. Der Austausch findet virtuell statt. Mit CHAT der WELTEN-Projekten soll die Digitalkompetenz und Kommunikationsfähigkeit der Teilnehmenden gestärkt und die kritische Reflexion eigener Handlungen und Werte gefördert werden.“

Der virtuelle Austausch wird durchgehend von Herrn Makhubela und seiner Kollegin Frau Schilb begleitet. Sie planen Diskussionsrunden, Online-Aufgaben und -spiele für die Schülerinnen und Schüler. Dafür sind sechs gemeinsame Sessions bis Weihnachten vorgesehen. Vorurteile, da sind sich die Referenten sicher, räumt man am besten aus, wenn man Jugendlichen den direkten Kontakt miteinander ermöglicht. Kulturelle Missverständisse lassen sich dabei nicht ausschließen. Man kann ihnen aber mit  Geduld, Offenheit und Toleranz begegnen, so dass am Ende hoffentlich ein größeres Verständnis für einander steht.

Das Projekt wird hauptsächlich durch das Programm „Bildung trifft Entwicklung“ finanziert, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung initiiert wurde.

Schule der Zukunft 2022

Um die Wette gestrahlt wurde am Dienstag, dem 14. September 2022, als die Goetheschule Essen in Krefeld offiziell als “Schule der Zukunft” ausgezeichnet wurde. Insgesamt 17 Schulen aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf wurden von Marlies Dieckmann vom Umweltministerium (links), der Krefelder Bürgermeisterin Kerstin Jensen (Zweite von rechts) und Landeskoordinator Wulf Bödeker (rechts) im Rahmen des Schulprogramms  “Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung” für ihre herausragende, zukunftsorientierte Bildungsarbeit gewürdigt.

Die meisten Projekte, die am Ricarda-Huch-Gymnasium in Krefeld präsentiert wurden, widmeten sich Umweltthemen, z. B. der naturnahen Gestaltung von Schulhöfen und Schulgärten, Recycling-Aktionen oder dem Färben mit Naturmaterialien. Einzig das von der Landesjury prämierte Projekt der Goetheschule stellte ein anderes Nachhaltigkeitsziel der Agenda 2030 in den Mittelpunkt:

Ziel 5: Geschlechtergleichheit. Dazu hatten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 im Bilingual-Kurs von Frau Heup im letztenSchuljahr online mit einer türkischen Partnerschule gearbeitet und sich mit der Essener Gleichstellungsstelle ausgetauscht. Um die Wichtigkeit nachhaltiger Ideen im Schulgebäude sichtbar zu machen, unterstützte außerdem der Kunstkurs der Klasse 8 von Frau Bieniek das Projekt, indem die Schülerinnen und Schüler 1x1m großen Acrylbilder zur Agenda 2030 gestalteten, die heute im Neubau der Schule hängen.

Neben den Vertretern des Umwelt- und Bildungsministeriums besuchte auch die Landeskoordinatorin von Schule der Zukunft, Jennifer Kappmeier-Klenk (Dritte von links), am Tag der Feier den Stand der Goetheschülerinnen und -schüler und gratulierte gemeinsam mit Schulleiterin Dr. Nicola Haas (Dritte von rechts). Das Interview mit der Gleichstellungsstelle Essen, das Carla, Jakub, Marlene und Mieke (von links) gefilmt haben, wird  in der nächsten Woche der Presse vorgestellt. Dann wird auch verraten, wie es mit dem Projekt Just Justice – Ganz einfach Gerechtigkeit?! weitergehen wird.

Nachhaltiges Lernen im Schuljahr 2021/22

Durch die Glasfassade des Neubaus schimmert der Schriftzug “17 Goals” und zwischen bunten Emblemen das Wort “Gender”. Mit ihrem Kunstprojekt macht die Klasse 8c auf die Nachhaltigkeitsziele der UN und den aktuellen Schulschwerpunkt ‘Geschlechtergerechtigkeit’ aufmerksam.

Nachhaltige Bildung

Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sollen Menschen rund um den Globus dafür sensibilisieren, dass es in unser aller Verantwortung liegt eine Welt zu schaffen, in der wir und künftige Generationen gut miteinander leben können. Die Umsetzung dieser ‘Agenda 2030’ kann nur gelingen, wenn schon in der Schule ein Nachdenken darüber beginnt, was nachhaltiges Arbeiten und Lernen, nachhaltiger Naturschutz und eine nachhaltige Gesellschaft für uns bedeuten.

Ein Kunstprojekt zu den UN-Nachhaltigkeitszielen

Mit der Kunstausstellung der Klasse 8c im Treppenhaus des Neubaus soll für alle, die die Goetheschule besuchen, sichtbar werden, dass das Thema Nachhaltigkeit uns alle angeht. Die gewählten Symbole deuten zudem auf den Schwerpunkt hin, den sich die Jgst. 9 gewählt hat: Geschlechtergerechtigkeit: Just Justice?! – Ganz einfach Gerechtigkeit?!

Zwei Unterrichtsreihen zum Nachhaltigkeitsziel Geschlechtergerechtigkeit in Jgst. 9:

Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein grundlegendes Menschenrecht, aber der gleiche Zugang zu Ressourcen und Chancen längst noch nicht für alle Realität. Unter dem Motto „Just Justice?! – Ganz einfach Gerechtigkeit?!“ haben sich Schülerinnen und Schüler des bilingualen Differenzierungskurses der Jgst. 9 mit dem eigenen Rollenverständnis auseinandergesetzt und gemeinsam mit der Gleichstellungsstelle Essen und der Beylikduzu Social Sciences High School in Istanbul die gesellschaftliche und politische Bedeutung von Geschlechtergerechtigkeit in den Blick genommen.

Sie haben die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 kennengelernt und vor dem Hintergrund aktueller Forderungen von UN-Sonderbotschafterin Emma Watson und Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie diskutiert, wie eine gerechtere Gesellschaft aussehen sollte. Dabei wurden auch historische Ursachen von Ungleichbehandlung, mangelnder Teilhabe und geschlechtsbezogener Gewalt und häufig angeführte Begründungsmuster untersucht.

Geschlechtergerechtigkeit im Unterricht

Unterrichtsreihe 1: Gender Equality

Sex and Gender

  1. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten die unterschiedlichen Bedeutungen der Begriffe „sex“ und „gender“ und stellen erste Überlegungen zu unterschieldlichen Rollenerwartungen mit Blick auf Jungen und Mädchen in den Bereichen Familie, Schule und Politik an.
  2. Sie erstellen Collagen über „gender stereotypes“ in ihrem eigenen Land und überlegen, wie sich diese auf die eigene Identität auswirken.
  3. Die Schüler suchen in der internationalen Presse nach je einem aktuellen Beispiel für die Ungleichbehandlung von Männer und Frauen und stellen dieses im Unterricht vor.

The UN and Gender Equality

  1. Die Schülerinnen und Schüler lernen die Geschichte und Organisationsstruktur der Vereinten Nationen kennen sowie deren Ansätze zur Förderung von Gleichberechtigung im Rahmen der Agenda 2030 und der HeForShe-Kampagne. Sie debattieren über selbst entworfene Model UN-Resolutionen.
  2. Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich anlässlich des International Day for the Elimination of Violence against Women am 25. November mit dem Thema ‚Gewalt gegen Frauen‘.
  3. Die Schülerinnen und Schüler diskutieren online mit türkischen Schülerinnen und Schülern über “What role do gender stereotypes play in your country?”, “Do girls and boys have the same opportunities?”, “Which gender issues do we need to deal with to stop discrimination and gender-based violence?”

Labels and Stereotypes

  1. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen den Einfluss von Sprache auf das Rollenverständnis von Männern und Frauen.
  2. Das Problem der Toxic Masculinity und die Folgen für Männer und ihre Familien werden erörtert. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der Gilette-Werbekampagne zum Thema auseinander.
  3. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten die Rede von Sonderbotschafterin Emma Watson „Gender equality is your issue too”.

Adichie’s Feminist Manifesto

10.   Die Schülerinnen und Schüler lesen Adichies feministisches Manifest „Dear Ijeawele“, das 15 Vorschläge enthält, wie Mädchen künftig erzogen werden sollten. Je einen Vorschlag wählen sie aus, fassen ihn zusammen und ergänzen eigene Beispiele, Begründungen und weiterführende Ideen. Ihre Ergebnisse vergleichen sie in einer Online-Sessionn mit türkischen Schülerinnen und Schülern und überlegen gemeinsam, welche Ansätze in Adichies Manifest fehlen, z. B. für mehr digitale Gleichberechtigung.

Unterrichtsreihe 2: The History of Women

The Situation of Women Today

  1. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich damit, wie Diskriminierung sichtbar wird und welche Kriterien der Global Gender Index anlegt.
  2. Schülerinnen und Schüler setzen sich mit dem Ursachen und Folgen des Phänomens der „glass ceiling“ in der Berufswelt auseinander.

The Roots and Effects of Patriarchism

  1. Schülerinnen und Schüler untersuchen, wie kollaborative Formen von Jagd und Nahrungssuche in der Frühzeit durch patriarchalische Gesellschaftsstrukturen in der Antike abgelöst wurden und welche Begründungsmuster (Essentialismus, Auslegungen biblischer Texte) bis zum Beginn der Aufklärung herangezogen wurden.
  1. Die Schülerinnen und Schüler erörtern die Ideen der Aufklärung und ihre Auswirkungen auf das Geschlechterverhältnis.
  1. Am Beispiel der Suffragetten-Bewegung in Großbritannien werden die Auswirkungen mangelnder politischer Partizipation besprochen sowie das Dilemma des Abwägens zwischen notwendigem zivilen Ungehorsam und gewaltsamem Widerstand, der Unschuldige gefährdet.

The Situation of Women and LGBTQ People Today

  1. Schülerinnen und Schüler erarbeiten ‚milestones‘ der Gegenwartsgeschichte auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung.
  1. Schülerinnen und Schüler lernen die Inhalte der Istanbul-Konvention kennen (The Council of Europe Convention on Preventing and Combating Violence against Women and Domestic Violence).
  1. Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der Entstehung und Verbreitung von fake news und Verschwörungstheorien auseinander.
  1. Schülerinnen und Schüler untersuchen die aktuelle Desinformationskampagne, die sich die Abschaffung der Istanbul-Konvention zum Ziel gesetzt hat.
  1. Schülerinnen und Schüler interviewen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gleichstellungsstelle Essen über lokale Probleme hinsichtlich der Gleichbehandlung von Frauen und LGBTQ-Minderheiten und diskutieren Lösungsansätze.

 

 

Goetheschüler treffen das Team der Gleichstellungsstelle Essen

Ein Rückblick auf unser Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Gleichstellungsstelle Essen von Carla und Johanna in deutscher und englischer Sprache:

Konferenz der Klassen 9a/b mit der Gleichstellungsstelle Essen

Am Freitag, dem 21. Januar 2022, hatte der Bilingual-Kurs der 9a/b um 8:30 Uhr eine Konferenz mit der Gleichstellungsstelle Essen. Corona-bedingt war es nicht möglich, dass der geplante Besuch im Rathaus stattfinden konnte. Deswegen fand eine Videokonferenz mit der Leiterin der Gleichstellungsstelle, Frau Barbara Wolf, ihrer Stellvertreterin, Frau Christiane Volkmer, und ihrem Kollegen, Herrn Sebastian Stute, statt, der für die Belange lesbischer, schwuler, bisexueller, transsexueller, nichtbinärer und intergeschlechtlicher Menschen (LSBTI) zuständig ist.

Zu Beginn der Videokonferenz stellten sich die Beamtinnen und Beamten kurz vor und zeigten uns anschließend eine PowerPoint-Präsentation, die die eigentlichen Aufgaben der Gleichstellungsstelle erläutert, welche auf Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes basieren, der lautet: ,,Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.‘‘ Im Prinzip bedeutet dies, dass gesetzlich Mann und Frau gleichberechtigt sind, nur dass es immer noch viele Bereiche gibt, in denen es eindeutige Nachteile für Frauen und auch für Männer gibt.

Barbara Wolf (Fachbereichsleiterin und Gleichstellungsbeauftragte), Christiane Volkmer (Stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte, Frauen im sozialen Umfeld), Sebastian Stute (Koordinator LSBTI*). Fotos mit freundlicher Genehmigung der Gleichstellungsstelle Essen.

Im Anschluss stellte Frau Christiane Volkmer sich als Beauftragte für „Frauen im sozialen Umfeld“ vor und skizzierte ihre Aufgaben, die sie regelmäßig bewältigt. Sie arbeitet mit einigen Kolleginnen und Kollegen in der externen Frauenförderung und im Frauenbündnis. In diesen Bereich fällt die Förderung gleichberechtigter Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen und Entscheidungen.

Aber wie erreicht man Gleichberechtigung in der Stadt Essen? Der ,,Runde Tisch Häusliche Gewalt‘‘ setzt sich stark für die Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes ein. Ebenfalls versuchen die Mitglieder durch Einzelberatung und durch die Erfassung der Lebenssituation von Migrantinnen und Frauen mit Fluchterfahrung deren Situation in Essen zu verbessern. Frau Volkmer und ihre Kolleginnen und Kollegen planen auch bekannte Veranstaltungen, wie z. B. den Empfang zum Internationalen Frauentag am 8. März, den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, den Equal Pay Day etc. Auch die Ausstellung ,,Fearless Women‘‘, die letztes Jahr in der Gruga stattfand, wurde von der Gleichstellungsstelle organisiert.

Die interne Frauenförderung wird von Frau Jutta Becker geleitet. Sie sorgt für mehr Chancengerechtigkeit in der Stadtverwaltung. In ihre Aufgabenbereiche fallen Verwaltungsaufgaben und Netzwerkarbeit. Sie organisiert unter anderem das Treffen der Frauenbeauftragten und das Treffen von Frauen in Führungspositionen. Außerdem ist sie verantwortlich für die gerechte Beteiligung an Auswahlverfahren.

Ein weiterer wichtiger Teil der Gleichstellungsstelle sind männerspezifischen Belange. Das größte Problem in heutiger Zeit ist die psychische Gesundheit der Männer. Dahinter steckt oft ein Konzept, das man toxic masculinity nennt. Die Vorurteile, mit denen sich Männer und Jungen von Geburt an auseinandersetzen müssen, sind große Nachteile in ihrer psychischen Entwicklung. Bekannte Redewendung wären z. B. „Sei ein Mann!‘‘ oder „Jungen sind eben Jungen.‘‘. Diese normalisieren Rollenklischees und betonen, dass Jungen anders sein müssten als Mädchen. Aber darf ein Junge nicht weinen, nur weil er ein Junge ist? Mit psychischen Problemen, die aus falschen Erwartungen resultieren, beschäftigt sich die Gleichstellungsstelle.

Der LSBTI-Koordinator, Herr Sebastian Stute, setzt sich außerdem aktiv für die Gleichberechtigung von binären und nicht-binären Personen ein. Aber was steckt konkret dahinter? Wir haben ihn zum Beispiel gefragt, ob es auch Toiletten für nicht-binäre Menschen im Rathaus gibt. Die Antwort war zu erwarten, es gibt sie tatsächlich (noch) nicht. Als Grund führte Herr Stute an, dass das Rathaus ein altes Gebäude sei. Allerdings wird es bald saniert und dann soll es in jeder 3. Etage eine Toilette für non-binäre Personen geben. Wir Schüler finden, dass Unisex-Toiletten für alle ziemlich gut wären, aber nach dem Gesetz muss es in öffentlichen Gebäuden auch getrennte Toiletten geben.

Eine andere Frage galt den skandinavischen Ländern, die in vielen Bereichen viel weiter sind, was die Gleichberechtigung der Geschlechter angeht. Woran liegt das? Was macht Deutschland falsch? Ein Grund, der uns um Jahre zurückkatapultierte, ist der Nationalsozialismus. Vor dieser Zeit gab es sogar Tanzkaffees für Lesben in Essen und das generelle Rollenverständnis war nicht so radikalisiert wie in der NS-Zeit, erklären uns Herr Stute und Frau Wolf. Außerdem haben sich die skandinavischen Länder politisch mehr auf die Familie konzentriert, genau das hat Deutschland aber bisher zu wenig gemacht. Arbeitende Frauen werden deshalb oft als ‚Rabenmütter‘ angesehen. Zusätzlich gibt es zu wenige Frauen in der Politik. Im Bundestag sind nur rund 30% Frauen vertreten.

Warum sind so wenige Frauen in Führungspositionen? Ist der Arbeitsgeber schuld oder liegt das an den Frauen selbst? Wir haben jetzt einige Antworten: Viele Frauen kümmern sich um ihre Kinder und Führungspositionen können sie damit nur schwer ausüben, da sie oftmals nur halbtags arbeiten. Allerdings werden den Frauen von der Gesellschaft auch Steine in den Weg gelegt. Weitverbreitet ist der Thomas-Effekt. Dieser erklärt, dass viele Männer in Führungspositionen keine Frauen einstellen, da diese anders sind als sie selbst.

Weiterhin trauen sich Frauen auch vieles nicht zu. Wenn sie halbtags arbeiten, trauen sie sich selbst keine verantwortungsvolle Position zu, welche oft mit mehr Arbeitsstunden verbunden wäre. Barbara Wolfs Antwort darauf ist: ,,Nicht aufgeben. Frauen müssen sich mehr zutrauen. Beides ist möglich, ein Kind aufzuziehen und zu arbeiten. Ich denke wir brauchen auch mehr weibliche Vorbilder.‘‘

Nach dieser interessanten Antwort, fragten wir uns, wie lange es dauert, Geschlechtergleichheit zu erreichen. Das Problem sind eben häufig „eingepflanzte“ Vorurteilen durch die Eltern oder durch die Großeltern. Wie wollen wir diese aus der Welt schaffen? ,,Hier gibt es keinen genauen Zeitraum.‘‘, erklärte man uns. ,,Wir bauen auf die junge Generation und dass diese hoffentlich ihren Kindern andere Werte vermittelt und dass sich das Rollenverständnis ändern wird. Es könnte 100 Jahre dauern oder mehr. Wir wissen es nicht genau.‘‘

Wir sind sehr gespannt, wie weit die Gleichstellungsstelle voranschreiten wird und ob es uns, der jungen Generation, gelingt, das Rollenverständnis von Männern und Frauen zu ändern und mehr Freiheit für Minderheiten zu schaffen.

Zusammengefasst: Es liegt an uns!

Carla B., Klasse 9

Why toilets for all might be an actual thing in the future

Our student video call with the local Equal Opportunities Officers in Essen

In 1994 an article was added to the German constitution that provided the obligation for any state authority to fight gender inequality. It declared that the state shall promote the factual implementation of gender equality between men and women and strive to eliminate existing disadvantages. Most cities, therefore, have assigned equal opportunity commissions and committees to fulfill this legal obligation. We – the students of the bilingual course – talked to the local office in Essen on January 21st 2022. This gave us the opportunity to listen to the representatives and to ask questions about their work. The video conference started with an overview presentation. Here the representatives provided us with some legal context to ensure gender equality. The call ended with a Q&A session.

The Deputy Equal Opportunities Officer for Women talked about external threats (e. g. physical abuse) and internal threats (e. g. eating disorders, body dysphoria) and the health of women because of wrong and unattainable values, beliefs, and expectations that have been imposed by society on young girls and women.

The coordinator for the concerns of lesbian, gay, bisexual, and non-binary people stressed the pivotal role of one’s own right of reflection and perception with regards to gender, sexuality, and personality. For those young individuals struggling with their identity and seeking personal and confidential advice, he offers professional support and concretely mentioned the help given in youth centers in Essen.

Another representative of the commission highlighted the area of critical male issues such as the challenge of being a good father in a patriarchal society.

The Q&A session ended up being far more interesting than expected from our end as it actively involved us students. When discussing the opinion on gender in public toilets, one of the officers mentioned that he is a strong advocate of a third toilet for non-binary people and for people who don’t identify with their innate sex. That’s because people who don’t identify with being either male or female feel social pressure to fit into a certain mold. When using sanitary facilities, they are reminded that it is widely assumed that one can only be male or female and that there is nothing in-between, which is wrong by social and legal norms. The denial of a third toilet or a toilet for all would also mean the denial of human rights.

Coming back onto where I started, one might argue that a toilet for all is the best approach to fight gender inequality and to eliminate existing disadvantages, especially regarding intersex people, because everyone would have the same access to the same sanitary facilities. However, there might be a backlash by many women and most likely many men, too, who would expect that their intimacy is protected in public toilets and would feel rather uncomfortable in the presence of the opposite sex.

While introducing a third toilet might drive gender equality, this would presumably come at a high risk. While Western society by and large has increasingly been opening-up for LGBT+ requests and concerns, many fellow citizens still believe in the strict categorization of male and female and some even support attacks against the LGBT+ minority. Publicly marked toilets for the third gender might run the risk of LGBT+ citizens being attacked by those extremists.

To sum it up, a toilet for all might not be as eccentric as this might have seemed only a few years ago. The idea that using the bathroom is not about gender and that people should not be forced into socially constructed stereotypes might seem normal one day.

Johanna P., Year 9