Nachhaltiges Lernen im Schuljahr 2021/22

Durch die Glasfassade des Neubaus schimmert der Schriftzug “17 Goals” und zwischen bunten Emblemen das Wort “Gender”. Mit ihrem Kunstprojekt macht die Klasse 8c auf die Nachhaltigkeitsziele der UN und den aktuellen Schulschwerpunkt ‘Geschlechtergerechtigkeit’ aufmerksam.

Nachhaltige Bildung

Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sollen Menschen rund um den Globus dafür sensibilisieren, dass es in unser aller Verantwortung liegt eine Welt zu schaffen, in der wir und künftige Generationen gut miteinander leben können. Die Umsetzung dieser ‘Agenda 2030’ kann nur gelingen, wenn schon in der Schule ein Nachdenken darüber beginnt, was nachhaltiges Arbeiten und Lernen, nachhaltiger Naturschutz und eine nachhaltige Gesellschaft für uns bedeuten.

Ein Kunstprojekt zu den UN-Nachhaltigkeitszielen

Mit der Kunstausstellung der Klasse 8c im Treppenhaus des Neubaus soll für alle, die die Goetheschule besuchen, sichtbar werden, dass das Thema Nachhaltigkeit uns alle angeht. Die gewählten Symbole deuten zudem auf den Schwerpunkt hin, den sich die Jgst. 9 gewählt hat: Geschlechtergerechtigkeit: Just Justice?! – Ganz einfach Gerechtigkeit?!

Zwei Unterrichtsreihen zum Nachhaltigkeitsziel Geschlechtergerechtigkeit in Jgst. 9:

Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein grundlegendes Menschenrecht, aber der gleiche Zugang zu Ressourcen und Chancen längst noch nicht für alle Realität. Unter dem Motto „Just Justice?! – Ganz einfach Gerechtigkeit?!“ haben sich Schülerinnen und Schüler des bilingualen Differenzierungskurses der Jgst. 9 mit dem eigenen Rollenverständnis auseinandergesetzt und gemeinsam mit der Gleichstellungsstelle Essen und der Beylikduzu Social Sciences High School in Istanbul die gesellschaftliche und politische Bedeutung von Geschlechtergerechtigkeit in den Blick genommen.

Sie haben die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 kennengelernt und vor dem Hintergrund aktueller Forderungen von UN-Sonderbotschafterin Emma Watson und Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie diskutiert, wie eine gerechtere Gesellschaft aussehen sollte. Dabei wurden auch historische Ursachen von Ungleichbehandlung, mangelnder Teilhabe und geschlechtsbezogener Gewalt und häufig angeführte Begründungsmuster untersucht.

Geschlechtergerechtigkeit im Unterricht

Unterrichtsreihe 1: Gender Equality

Sex and Gender

  1. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten die unterschiedlichen Bedeutungen der Begriffe „sex“ und „gender“ und stellen erste Überlegungen zu unterschieldlichen Rollenerwartungen mit Blick auf Jungen und Mädchen in den Bereichen Familie, Schule und Politik an.
  2. Sie erstellen Collagen über „gender stereotypes“ in ihrem eigenen Land und überlegen, wie sich diese auf die eigene Identität auswirken.
  3. Die Schüler suchen in der internationalen Presse nach je einem aktuellen Beispiel für die Ungleichbehandlung von Männer und Frauen und stellen dieses im Unterricht vor.

The UN and Gender Equality

  1. Die Schülerinnen und Schüler lernen die Geschichte und Organisationsstruktur der Vereinten Nationen kennen sowie deren Ansätze zur Förderung von Gleichberechtigung im Rahmen der Agenda 2030 und der HeForShe-Kampagne. Sie debattieren über selbst entworfene Model UN-Resolutionen.
  2. Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich anlässlich des International Day for the Elimination of Violence against Women am 25. November mit dem Thema ‚Gewalt gegen Frauen‘.
  3. Die Schülerinnen und Schüler diskutieren online mit türkischen Schülerinnen und Schülern über “What role do gender stereotypes play in your country?”, “Do girls and boys have the same opportunities?”, “Which gender issues do we need to deal with to stop discrimination and gender-based violence?”

Labels and Stereotypes

  1. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen den Einfluss von Sprache auf das Rollenverständnis von Männern und Frauen.
  2. Das Problem der Toxic Masculinity und die Folgen für Männer und ihre Familien werden erörtert. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der Gilette-Werbekampagne zum Thema auseinander.
  3. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten die Rede von Sonderbotschafterin Emma Watson „Gender equality is your issue too”.

Adichie’s Feminist Manifesto

10.   Die Schülerinnen und Schüler lesen Adichies feministisches Manifest „Dear Ijeawele“, das 15 Vorschläge enthält, wie Mädchen künftig erzogen werden sollten. Je einen Vorschlag wählen sie aus, fassen ihn zusammen und ergänzen eigene Beispiele, Begründungen und weiterführende Ideen. Ihre Ergebnisse vergleichen sie in einer Online-Sessionn mit türkischen Schülerinnen und Schülern und überlegen gemeinsam, welche Ansätze in Adichies Manifest fehlen, z. B. für mehr digitale Gleichberechtigung.

Unterrichtsreihe 2: The History of Women

The Situation of Women Today

  1. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich damit, wie Diskriminierung sichtbar wird und welche Kriterien der Global Gender Index anlegt.
  2. Schülerinnen und Schüler setzen sich mit dem Ursachen und Folgen des Phänomens der „glass ceiling“ in der Berufswelt auseinander.

The Roots and Effects of Patriarchism

  1. Schülerinnen und Schüler untersuchen, wie kollaborative Formen von Jagd und Nahrungssuche in der Frühzeit durch patriarchalische Gesellschaftsstrukturen in der Antike abgelöst wurden und welche Begründungsmuster (Essentialismus, Auslegungen biblischer Texte) bis zum Beginn der Aufklärung herangezogen wurden.
  1. Die Schülerinnen und Schüler erörtern die Ideen der Aufklärung und ihre Auswirkungen auf das Geschlechterverhältnis.
  1. Am Beispiel der Suffragetten-Bewegung in Großbritannien werden die Auswirkungen mangelnder politischer Partizipation besprochen sowie das Dilemma des Abwägens zwischen notwendigem zivilen Ungehorsam und gewaltsamem Widerstand, der Unschuldige gefährdet.

The Situation of Women and LGBTQ People Today

  1. Schülerinnen und Schüler erarbeiten ‚milestones‘ der Gegenwartsgeschichte auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung.
  1. Schülerinnen und Schüler lernen die Inhalte der Istanbul-Konvention kennen (The Council of Europe Convention on Preventing and Combating Violence against Women and Domestic Violence).
  1. Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der Entstehung und Verbreitung von fake news und Verschwörungstheorien auseinander.
  1. Schülerinnen und Schüler untersuchen die aktuelle Desinformationskampagne, die sich die Abschaffung der Istanbul-Konvention zum Ziel gesetzt hat.
  1. Schülerinnen und Schüler interviewen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gleichstellungsstelle Essen über lokale Probleme hinsichtlich der Gleichbehandlung von Frauen und LGBTQ-Minderheiten und diskutieren Lösungsansätze.

 

 

Goetheschüler treffen das Team der Gleichstellungsstelle Essen

Ein Rückblick auf unser Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Gleichstellungsstelle Essen von Carla und Johanna in deutscher und englischer Sprache:

Konferenz der Klassen 9a/b mit der Gleichstellungsstelle Essen

Am Freitag, dem 21. Januar 2022, hatte der Bilingual-Kurs der 9a/b um 8:30 Uhr eine Konferenz mit der Gleichstellungsstelle Essen. Corona-bedingt war es nicht möglich, dass der geplante Besuch im Rathaus stattfinden konnte. Deswegen fand eine Videokonferenz mit der Leiterin der Gleichstellungsstelle, Frau Barbara Wolf, ihrer Stellvertreterin, Frau Christiane Volkmer, und ihrem Kollegen, Herrn Sebastian Stute, statt, der für die Belange lesbischer, schwuler, bisexueller, transsexueller, nichtbinärer und intergeschlechtlicher Menschen (LSBTI) zuständig ist.

Zu Beginn der Videokonferenz stellten sich die Beamtinnen und Beamten kurz vor und zeigten uns anschließend eine PowerPoint-Präsentation, die die eigentlichen Aufgaben der Gleichstellungsstelle erläutert, welche auf Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes basieren, der lautet: ,,Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.‘‘ Im Prinzip bedeutet dies, dass gesetzlich Mann und Frau gleichberechtigt sind, nur dass es immer noch viele Bereiche gibt, in denen es eindeutige Nachteile für Frauen und auch für Männer gibt.

Barbara Wolf (Fachbereichsleiterin und Gleichstellungsbeauftragte), Christiane Volkmer (Stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte, Frauen im sozialen Umfeld), Sebastian Stute (Koordinator LSBTI*). Fotos mit freundlicher Genehmigung der Gleichstellungsstelle Essen.

Im Anschluss stellte Frau Christiane Volkmer sich als Beauftragte für „Frauen im sozialen Umfeld“ vor und skizzierte ihre Aufgaben, die sie regelmäßig bewältigt. Sie arbeitet mit einigen Kolleginnen und Kollegen in der externen Frauenförderung und im Frauenbündnis. In diesen Bereich fällt die Förderung gleichberechtigter Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen und Entscheidungen.

Aber wie erreicht man Gleichberechtigung in der Stadt Essen? Der ,,Runde Tisch Häusliche Gewalt‘‘ setzt sich stark für die Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes ein. Ebenfalls versuchen die Mitglieder durch Einzelberatung und durch die Erfassung der Lebenssituation von Migrantinnen und Frauen mit Fluchterfahrung deren Situation in Essen zu verbessern. Frau Volkmer und ihre Kolleginnen und Kollegen planen auch bekannte Veranstaltungen, wie z. B. den Empfang zum Internationalen Frauentag am 8. März, den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, den Equal Pay Day etc. Auch die Ausstellung ,,Fearless Women‘‘, die letztes Jahr in der Gruga stattfand, wurde von der Gleichstellungsstelle organisiert.

Die interne Frauenförderung wird von Frau Jutta Becker geleitet. Sie sorgt für mehr Chancengerechtigkeit in der Stadtverwaltung. In ihre Aufgabenbereiche fallen Verwaltungsaufgaben und Netzwerkarbeit. Sie organisiert unter anderem das Treffen der Frauenbeauftragten und das Treffen von Frauen in Führungspositionen. Außerdem ist sie verantwortlich für die gerechte Beteiligung an Auswahlverfahren.

Ein weiterer wichtiger Teil der Gleichstellungsstelle sind männerspezifischen Belange. Das größte Problem in heutiger Zeit ist die psychische Gesundheit der Männer. Dahinter steckt oft ein Konzept, das man toxic masculinity nennt. Die Vorurteile, mit denen sich Männer und Jungen von Geburt an auseinandersetzen müssen, sind große Nachteile in ihrer psychischen Entwicklung. Bekannte Redewendung wären z. B. „Sei ein Mann!‘‘ oder „Jungen sind eben Jungen.‘‘. Diese normalisieren Rollenklischees und betonen, dass Jungen anders sein müssten als Mädchen. Aber darf ein Junge nicht weinen, nur weil er ein Junge ist? Mit psychischen Problemen, die aus falschen Erwartungen resultieren, beschäftigt sich die Gleichstellungsstelle.

Der LSBTI-Koordinator, Herr Sebastian Stute, setzt sich außerdem aktiv für die Gleichberechtigung von binären und nicht-binären Personen ein. Aber was steckt konkret dahinter? Wir haben ihn zum Beispiel gefragt, ob es auch Toiletten für nicht-binäre Menschen im Rathaus gibt. Die Antwort war zu erwarten, es gibt sie tatsächlich (noch) nicht. Als Grund führte Herr Stute an, dass das Rathaus ein altes Gebäude sei. Allerdings wird es bald saniert und dann soll es in jeder 3. Etage eine Toilette für non-binäre Personen geben. Wir Schüler finden, dass Unisex-Toiletten für alle ziemlich gut wären, aber nach dem Gesetz muss es in öffentlichen Gebäuden auch getrennte Toiletten geben.

Eine andere Frage galt den skandinavischen Ländern, die in vielen Bereichen viel weiter sind, was die Gleichberechtigung der Geschlechter angeht. Woran liegt das? Was macht Deutschland falsch? Ein Grund, der uns um Jahre zurückkatapultierte, ist der Nationalsozialismus. Vor dieser Zeit gab es sogar Tanzkaffees für Lesben in Essen und das generelle Rollenverständnis war nicht so radikalisiert wie in der NS-Zeit, erklären uns Herr Stute und Frau Wolf. Außerdem haben sich die skandinavischen Länder politisch mehr auf die Familie konzentriert, genau das hat Deutschland aber bisher zu wenig gemacht. Arbeitende Frauen werden deshalb oft als ‚Rabenmütter‘ angesehen. Zusätzlich gibt es zu wenige Frauen in der Politik. Im Bundestag sind nur rund 30% Frauen vertreten.

Warum sind so wenige Frauen in Führungspositionen? Ist der Arbeitsgeber schuld oder liegt das an den Frauen selbst? Wir haben jetzt einige Antworten: Viele Frauen kümmern sich um ihre Kinder und Führungspositionen können sie damit nur schwer ausüben, da sie oftmals nur halbtags arbeiten. Allerdings werden den Frauen von der Gesellschaft auch Steine in den Weg gelegt. Weitverbreitet ist der Thomas-Effekt. Dieser erklärt, dass viele Männer in Führungspositionen keine Frauen einstellen, da diese anders sind als sie selbst.

Weiterhin trauen sich Frauen auch vieles nicht zu. Wenn sie halbtags arbeiten, trauen sie sich selbst keine verantwortungsvolle Position zu, welche oft mit mehr Arbeitsstunden verbunden wäre. Barbara Wolfs Antwort darauf ist: ,,Nicht aufgeben. Frauen müssen sich mehr zutrauen. Beides ist möglich, ein Kind aufzuziehen und zu arbeiten. Ich denke wir brauchen auch mehr weibliche Vorbilder.‘‘

Nach dieser interessanten Antwort, fragten wir uns, wie lange es dauert, Geschlechtergleichheit zu erreichen. Das Problem sind eben häufig „eingepflanzte“ Vorurteilen durch die Eltern oder durch die Großeltern. Wie wollen wir diese aus der Welt schaffen? ,,Hier gibt es keinen genauen Zeitraum.‘‘, erklärte man uns. ,,Wir bauen auf die junge Generation und dass diese hoffentlich ihren Kindern andere Werte vermittelt und dass sich das Rollenverständnis ändern wird. Es könnte 100 Jahre dauern oder mehr. Wir wissen es nicht genau.‘‘

Wir sind sehr gespannt, wie weit die Gleichstellungsstelle voranschreiten wird und ob es uns, der jungen Generation, gelingt, das Rollenverständnis von Männern und Frauen zu ändern und mehr Freiheit für Minderheiten zu schaffen.

Zusammengefasst: Es liegt an uns!

Carla B., Klasse 9

Why toilets for all might be an actual thing in the future

Our student video call with the local Equal Opportunities Officers in Essen

In 1994 an article was added to the German constitution that provided the obligation for any state authority to fight gender inequality. It declared that the state shall promote the factual implementation of gender equality between men and women and strive to eliminate existing disadvantages. Most cities, therefore, have assigned equal opportunity commissions and committees to fulfill this legal obligation. We – the students of the bilingual course – talked to the local office in Essen on January 21st 2022. This gave us the opportunity to listen to the representatives and to ask questions about their work. The video conference started with an overview presentation. Here the representatives provided us with some legal context to ensure gender equality. The call ended with a Q&A session.

The Deputy Equal Opportunities Officer for Women talked about external threats (e. g. physical abuse) and internal threats (e. g. eating disorders, body dysphoria) and the health of women because of wrong and unattainable values, beliefs, and expectations that have been imposed by society on young girls and women.

The coordinator for the concerns of lesbian, gay, bisexual, and non-binary people stressed the pivotal role of one’s own right of reflection and perception with regards to gender, sexuality, and personality. For those young individuals struggling with their identity and seeking personal and confidential advice, he offers professional support and concretely mentioned the help given in youth centers in Essen.

Another representative of the commission highlighted the area of critical male issues such as the challenge of being a good father in a patriarchal society.

The Q&A session ended up being far more interesting than expected from our end as it actively involved us students. When discussing the opinion on gender in public toilets, one of the officers mentioned that he is a strong advocate of a third toilet for non-binary people and for people who don’t identify with their innate sex. That’s because people who don’t identify with being either male or female feel social pressure to fit into a certain mold. When using sanitary facilities, they are reminded that it is widely assumed that one can only be male or female and that there is nothing in-between, which is wrong by social and legal norms. The denial of a third toilet or a toilet for all would also mean the denial of human rights.

Coming back onto where I started, one might argue that a toilet for all is the best approach to fight gender inequality and to eliminate existing disadvantages, especially regarding intersex people, because everyone would have the same access to the same sanitary facilities. However, there might be a backlash by many women and most likely many men, too, who would expect that their intimacy is protected in public toilets and would feel rather uncomfortable in the presence of the opposite sex.

While introducing a third toilet might drive gender equality, this would presumably come at a high risk. While Western society by and large has increasingly been opening-up for LGBT+ requests and concerns, many fellow citizens still believe in the strict categorization of male and female and some even support attacks against the LGBT+ minority. Publicly marked toilets for the third gender might run the risk of LGBT+ citizens being attacked by those extremists.

To sum it up, a toilet for all might not be as eccentric as this might have seemed only a few years ago. The idea that using the bathroom is not about gender and that people should not be forced into socially constructed stereotypes might seem normal one day.

Johanna P., Year 9

17 Nachhaltigkeitsziele künstlerisch umgesetzt

Zu Beginn dieses Schuljahres wurde die Goetheschule in das Netzwerk “Schule der Zukunft” aufgenommen und ist damit dem Kreis der Bildungseinrichtungen beigetreten, die sich für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen einsetzen.

Die Klasse 8c hat sich mit Kunstlehrerin Dagmar Bieniek nun die Frage gestellt, wie man die Übersicht der Nachhaltigkeitsziele künstlerisch gestalten kann. Das vorgegebene Design sollte – genau wie die Farben – in eine neue Komposition übergehen.

Zu den 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung gehören:

1 Armut beenden 
2 Bildung für alle 
3 Gesundes Leben für alle
4 Bildung für alle
5 Gleichstellung der Geschlechter
6 Wasser und Sanitärversorgung für alle 
7 Nachhaltige und moderne Energie für alle
8 Nachhaltiges Wirtschaftswachstum und menschenwürdige Arbeit für alle
9 Widerstandsfähige Infrastruktur und nachhaltige Industrialisierung 
10 Ungleichheit verringern 
11 Nachhaltige Städte und Siedlungen 
12 Nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen 
13 Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel und seine Auswirkungen 
14 Bewahrung und nachhaltige Nutzung der Ozeane und Meere 
15 Landökosysteme schützen 
16 Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
17 Globale Partnerschaft stärken

Bis 2030 sollen in diesen Bereichen Fortschritte erzielt werden, in der internationalen Politik, aber vor allem auch in regionalen Initiativen und Aktionen vor Ort, bei denen auch Kindergärten, Schulen und Universitäten mitmachen.

An der Goetheschule beschäftigen wir uns im Schuljahr 2021/22 insbesondere mit Ziel 5 im Projekt Geschlechtergerechtigkeit:

Die entstandenen Acrylbilder der Klasse 8 sind im Original 1×1 Meter groß und werden bald im Neubau der Schule ausgestellt.

Geschlechtergerechtigkeit: Deutschland – Türkei – Nigeria

“We teach girls that they can have ambition, but not too much … to be successful, but not too successful, or they’ll threaten men”, so die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie in ihrem TED-Talk “We should all be feminists”, den inzwischen Millionen Menschen im Internet gesehen haben.

Im Nachhaltigkeitsprojekt ‘Gender Justice’ haben die Bilingual-Schüler der 9. Klasse der Goetheschule am 15.12.21 online in einer Videokonferenz mit ihren Partnerschülern von der Beylikduzu Social Sciences High School in Istanbul über Adichies Essay „Dear Ijeawele“ diskutiert. Mit welchen Ideen sollten Mädchen und Jungen aufwachsen? Adichie macht dazu 15 Vorschläge und wirft noch mehr Fragen auf: Wie wichtig ist die Biologie? Wie wichtig ist Sprache? Wie wichtig ist der Wunsch gemocht zu werden?

Jakub S. (Klasse 9) hat eine englische Buchbesprechung zu Adichies feministischem Manifest verfasst:

Book Review

“Dear Ijeawele” by Chimamanda Ngozi Adichie

Dear Ijeawele – A Feminist Manifesto in Fifteen Suggestions by Chimamanda Ngozi Adichie is not only a guide for today’s women on what to change in contemporary society, but also for men on what to change in their doing and thinking. The book was published in 2021 by the Klett Verlag and is the unabridged English original with annotations.

The 58-page long, paperback is a slightly modified version of a letter Adichie wrote to her friend Ijealwele as an answer to the question of how to raise her [the friend’s] baby girl a feminist. The author tells us she didn’t know at first what to answer, but then decided to write the personal letter.

At the beginning the author introduces her two feminist tools, the key questions of “What’s your premise?” and “Can you reverse X and get the same results?”. She uses these tools to determine the best answer or action for every situation, because “feminism is always contextual”. In the following 15 chapters, she makes 15 suggestions about how her friend should raise her daughter Chizalum, what to teach her and what to tell her to aspire to, all by applying the two fundamental feminist tools. Each suggestion is about a defined topic, on which Adichie explains her opinion, gives examples, and shows us how to act. From talking about being “a full person” (Chap. 1), over “Feminism Lite” (Chap. 4) and its dangers, the importance of “reading books” (Chap. 5), the roles of “language” (Chap. 6) and “marriage” (Chap. 7), “sex” (Chap. 12) and “romance” (Chap. 13), all the way to “difference” (Chap. 15), she covers a wide range of feminist topics.

About the author

The author Chimamanda Ngozi Adichie was born in Enugu, Nigeria, in 1977 as the fifth of six children to Igbo parents. She studied medicine for one year in Nigeria, but at the age of 19 left for the US. She graduated from Eastern Connecticut University with a degree in Communication and Political Science and completed a master’s degree in Creative Writing at Johns Hopkins University, Baltimore. Her first novel “Purple Hibiscus” was released in 2003 and was awarded the ‘Commonwealth Writers’ Prize for Best First Book’ in 2005. She calls herself a “happy feminist” and received worldwide attention after her TED talk “We Should All Be Feminists” (2012), which was published as a book in 2014.

My opinion

The content of each of the 15 suggestions is strictly defined, but Adichie gives many suitable examples which allow the reader to fully understand her opinion. She uses simple explanations for unexpected examples, the meaning of which the reader may not catch at first. For example, when suggesting that as an ultima ratio, Ijeawele should pay her daughter to read books, Adichie explains to us that it may be “an expensive endeavour […], but a worthy investment”, the same way as sending children to school or sponsoring their driver’s license.

By using a letter format, the book develops a strong personal note and a logical context: when raising a child from their birth, we have all the opportunities to influence their development, minds, thoughts, decisions and of course their attitude towards feminism in the future.

At first glance, as a teenage boy I didn’t think the book would be useful for me, but it turned out to be different.

With her suggestions, the author gives her friend a “tutorial”. Because I’m neither female, nor have a baby girl, I am reading the book from a “third person’s view”, something most readers at my age will know only from videogames. Not only does Adichie suggest what a girl/woman should (not) do, but also what she should expect from men. By reversing that, you see what men should do. For example, Adichie says a woman should care of a child together with her husband and she should not need to ask him for help. In reverse this means he should just take care of the child, even without her asking him to do so. In addition to this, many of the suggestions are universal and should not only apply to feminists but to all humans. Her ideas that reading books is important (Chap. 5), that everyone should form their own identity and opinion (Chap. 9) and that we need to accept difference as a fundamental structure of society (Chap. 15) don’t stop at “gender boundaries”.

In addition, by speaking from an Igbo-(Nigerian) perspective, Adichie is automatically distanced from all the “white/western gender stereotypes”, which allows us to question our own stereotypes. And in the end, this gives us the opportunity for thinking impartially about our own standards.

The book is written in an easy-to-understand language, with all important technical and specialist terms explained in the annotations. As they are all in English, the book can be used in any English class, but I would recommend it for students with English as a second language above the age of 12. With English as their primary language, students are of course able to understand the book at an earlier age. Due to the strict division into 15 chapters, each of which can be treated separately and without major connection to the others, the book is very suitable for a jigsaw reading activity in which every group works extensively on their own chapter. The fact that the book is only 58 pages long makes the book suitable for a short project, which can be covered within a few lessons.

The nine picture pages about powerful women and women’s history at the end of the book are more of a nice addition than a source of essential information. What is more useful is the timeline of women’s rights on the last page. It shows nine important events in the suffragette’s history, from “New Zealand as the first country in the world to grant women the vote in 1893 to Zimbabwe’s Constitutional Court ruling that no one may marry before the age of 18 in 2016.

Conclusion

All in all, I would recommend the book to everyone who wants to find out more about being a feminist or who would like to try to become one, but also to all those who just want to know what feminists try to communicate to us. As a school project the book can be integrated very well into the topic of “Gender equality”, as single or group work, which can be covered within 10 to 15 lessons (and additional reading time at home).

Jakub (Year 9)

Online-Unterricht zwischen Essen und Istanbul zum Thema Gender

Abends Schule? Das klingt ungewöhnlich. Gemeinsamer Unterricht von Jugendlichen aus Essen und Istanbul? Auch das gehört nicht gerade zum Routine-Programm. Am Freitag, dem 19.11.21, war also alles ein bisschen anders als gewohnt. 22 Schülerinnen und Schüler aus Frau Heups Bilingual-Kurs in Klasse 9 trafen auf 25 Schülerinnen und Schüler aus dem Englischkurs von Herrn Akduğan. Online tauschten sich die Jugendlichen in englischer Sprache über das Nachhaltigkeitsthema “Gender Justice” aus.

Diese länderübergreifende Kooperation schließt an unser Schwerpunktthema Just Justice?! – Ganz einfach Gerechtigkeit?! im Netzwerk ‘Schule der Zukunft’ an und widmet sich den UN-Nachhaltigkeitszielen 5, 16 und 17. Zu Beginn ging es um Fragen wie “What role do gender stereotypes play in your country?”, “Do girls and boys have the same opportunities?”, “Which gender issues do we need to deal with to stop discrimination and gender-based violence?”. Über das Videokonferenz-Tool von Teams konnte die gesamte Gruppe zugeschaltet werden, aber die Diskussion lief vorrangig in Kleingruppen in Breakout-Rooms.

Über den Online-Austauscht mit den türkischen Schülerinnen und Schülern berichtet Can Y. aus der 9. Klasse:

Our online conferences with a Turkish school

On the 19th November and 15th of December 2021 our class took part in online video conferences with a Turkish school in Istanbul. The video conferences took place in an app called Microsoft Teams, which allowed us students to join and discuss with each other. After a certain time in the conference, we were put into different groups. Each group consisted of 5-7 people from Germany and Turkey.

The point of the video conferences was not only to get to know the different opinions of another culture, but also to discuss specific topics and to share different or similar views with each other. Especially if the person with whom you were exchanging ideas had completely different living conditions, both in an economic and an everyday sense, it made us as students fully aware of other people’s way of living and thinking and this also expanded our knowledge about one another.

After joining the groups for the first time, it was important to get to know each other to create a more comfortable and open conversation, before talking about our views. It was quite fascinating to hear about the other students’ opinions on gender. Especially when many others expected that the point of view of a person from a wholly different culture would be completely different from ours. Most German students, for example, did not expect the Turkish students to be so much against traditional gender roles or that they were against Erdogan’s view on women.

There were even a couple of groups which tried to find solutions in order to break up gender roles and put an end to inequality against women. A stereotype that we could break is the idea that blue is a color for boys and for boys only. If we stopped showing boys in the media only wearing blue or playing with blue toys, but introduced boys and girls to a variety of colors for them, this would help children to grow up in a society without stereotypical gender roles, at least with regards to color and gender.

Overall, it can be said that it was an interesting experience and it was great to have the chance to exchange opinions and to get to know more about the current situation in Turkey, because the conversations we had maybe even managed to change other people’s point of views.

We are all looking forward to talking to the Turkish students again next year.

Can Y., Year 9