Erasmus-Abschluss in der Alten Synagoge Essen

Den Abschluss des Erasmus-Moduls “The Power of Memory” begingen Schülerinnen und Schüler der Goetheschule Essen am 7.2.2019 mit Teilnehmern aus weiteren fünf Ländern in der Alten Synagoge Essen. Nachmittags hatten die Jugendlichen im Haus der jüdischen Kultur die Ausstellung über jüdische Geschichte, Religion und Lebensart besucht.

Das Programm der Abschlussfeier finden Sie hier.

Dr. Uri Kaufmann, Leiter des Kulturinstituts, begrüßte anschließend mit seiner Stellvertreterin Martina Strehlen die Gäste aus Dänemark, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Zypern und der Türkei. Bürgermeister Rudolf Jelinek lobte das Engagement der Schülerinnen und Schüler im Lernprojekt “Post-faktisch. Europa im Wandel von den 1930er Jahren bis heute”:

“Liebe Schülerinnen und Schüler,

sich auszutauschen, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, ist an sich schon eine gute Idee. Besonders gut wird dieser Gedanke jedoch, wenn dafür junge Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenkommen. So wie jetzt, wenn Schülerinnen und Schüler aus sechs Ländern gemeinsam in einem Erasmus Plus-Projekt zusammenarbeiten.

Im Mittelpunkt der Projektarbeit steht das Thema Erinnerung. Dazu gehören die Fragen, wie wir uns an Vergangenes erinnern und welche Rolle dabei das jeweilige kulturelle Gedächtnis spielt.

Das sind hochspannende Fragestellungen, die an einem Ort wie hier – in der Alten Synagoge / Haus jüdischer Kultur – noch einmal einen ganz besonderen Stellenwert haben. An dieser Stelle ein herzlicher Dank und Gruß an unsere heutigen Gastgeber Herr Dr. Kaufmann und Frau Strehlen.

Auch die nähere Betrachtung der Zuverlässigkeit von Erinnerungen ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Punkt. Gerade heute:
– angesichts der Fake-News-Debatten in sozialen Medien,
– angesichts von Rechtspopulisten in vielen Ländern, die Ängste schüren und mit ihren Parolen unsere Gesellschaft spalten.

Es ist deshalb enorm wichtig, genau hinzuschauen, nachzufragen und vor allem, miteinander zu sprechen.
Liebe Schülerinnen und Schüler,
genau das habt Ihr getan – mit großartigem Einsatz und tollen Ergebnissen, auf die Ihr zu Recht stolz sein dürft.
Ich bin überzeugt: Je mehr wir voneinander wissen, desto besser können wir uns verstehen. Ich freue mich ganz besonders, dass Ihr mit gutem Beispiel vorangeht.

Ein besonderes Dankeschön geht an die Goetheschule, die für ihre Gäste eine interessante Projektwoche vorbereitet hat. Mein Dank gilt zudem der Europäischen Union, die das aktuelle Erasmus-Projekt für zwei Jahre (Sept. 2018 – August 2020) finanziert.
Ich wünsche Ihnen, dass das Projekt auch künftig noch viele spannende Begegnungen mit sich bringt!”

Dear Dr. Kaufmann,

Dear students,

Exchanging and working together on a project is generally a good idea. This thought is even better though, when young people from different countries join each other and work hand in hand, like you, students from six different countries!

The focus of your project work is “memory”. This includes the question of how we remember the past and what role our respective cultural memory plays.

These are fascinating questions, which are of particular importance in a place like this, the Old Synagogue, the House of Jewish Culture. At this point I would like to thank our hosts, Dr. Kaufmann and Ms Strehlen.

The reliability of our memories is another important issue, especially today, when we are confronted with fake new debates in the social media and right-wing populists in many countries, who stoke fear and divide society with their slogans.

It is therefore vital not to take everything at face value, but to look thoroughly, question things and – most importantly – speak with each other.

Dear students,

this is exactly what you have done – with great commitment and excellent results which you may be proud of. I am convinced: The more we know from each other, the better we will understand each other. I am therefore particularly happy to see that you set an example here.

My special thanks go to the Goetheschule, which prepared an interesting project week for their guests. I would also like to thank the European Union, which has financed the current Erasmus project of a two-year period.

I wish you all that this project may lead to many more exciting encounters in future.

Musikalisch gestaltet wurde die Feier von Christian Sroka (Klavier) sowie Alissa Goldberg und Alexandra Link (Gesang), die in englischer und jiddischer Sprache das Lied “Donna Donna” präsentierten. Mit den Schülerinnen und Schülern, die ihre Teilnahmezertifikate von Bürgermeister Jelinek erhielten, freuten sich außerdem die Erasmus-Lehrer.

Von links: Gianni Bertocchini (IT), Carolyn McNanie (NL), Karmen Heup (DE), Miriam Gwisdalla (DE), Yuksel Gemici (TUR), Sergej Vögele (DE), Ozkan Akdugan (TUR), Karen Ronke Baktoft (DK), Martian Féaux de Lacroix (DE), Victoria Studley (CYP), Arie Boergen (DE), Ivana Savvidou (CYP)

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Text: K. Heup

Foto 1: K. Heup, Foto 2-3: M. Franke

Erasmus-Präsentation mit Schülern in der Lehrerrolle

Sie haben diskutiert, gezeichnet, gebastelt, Präsentationen und Online-Quizfragen erstellt. Am Abschlusstag des Projekts waren sechs Lernstationen entstanden, an denen die Erasmus-Schülerinnen und -Schüler ihre Arbeit zum Thema ‘Erinnerung’ den englischen Differenzierungskursen der Jgst. 8 und 9 vorstellten. An den einzelnen Lernstationen übernahmen die Schüler selbst die Rolle der Lehrer und benutzten dabei verschiedene Methoden und Materialien.

Die Themen wurden meist in englischen Kurzvorträgen vorgestellt.
Daneben war aber auch aktives Tun wichtig. So sollten die jüngeren Schüler an der Station zu unterschiedlichen nationalen Erinnerungskulturen die präsentierten Beispiele mit Fäden und Pins auf der Europakarte den jeweiligen Ländern zuordnen.
An der Lernstation zum Kulturerbe wurde vor allem miteinander diskutiert, was man als erhaltenswert für die nächsten Generationen betrachtet.
Eine Reihe von Schätzfragen sensibilisierten an der nächsten Station für den Einfluss der Gedenk-Industrie, die Erinnerungen durch den Verkauf von Bücher, Filmen oder Souvenirs zu Geld macht. Die Antworten unter den Klappen sollten überraschen und zum Nachdenken anregen.
Zum Umgang mit unseren Erinnerungen an die 1930er und 40er Jahre hatten die Schüler eine Powerpoint mit Online-Quizfragen vorbereitet.
Funktionsweise und Fehleranfälligkeit des menschlichen Gedächtnisses erläuterte die Memory-Gruppe.
Schüler-Beispiele sammelten sie mit bunten Klebezetteln auf einem großen Poster.
An der Station zum Bezug von Wahrheit und Erinnerung wurde mit dem Handy ein Kahoot-Quiz gelöst, bei dem es unter anderem um den Einfluss bekannter Konspirationstheorien ging, wie beispielsweise die, dass die Mondlandung durch die Amerikaner nicht stattgefunden habe.

Am Ende des Vormittags waren einige richtig müde und stellten zum Teil erstaunt fest, dass anderen etwas beizubringen ganz schön anstrengend sein kann. Aber alle wussten auch: Es bleiben wertvolle Erinnerungen an die gemeinsamen Tage in Essen…








We will remember…!

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Video: A. Boergen, 2019

Fotos: 1-8 K. Heup, 2019; 9 M. Franke, 2019

Erasmus 2019: Architektur & Erinnerung


Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler. Sie werden doch zweifellos aufgestellt, um gesehen zu werden, ja geradezu, um die Aufmerksamkeit zu erregen; aber gleichzeitig sind sie durch irgend etwas gegen Aufmerksamkeit imprägniert…

Robert Musil

Wir alle gehen mit offenen Augen durch unsere Städte und doch nehmen wir unsere Umgebung oft nicht wirklich wahr. Orte der Erinnerung – Standbilder, Gedenksteine, Plaketten, sogar große Monumente – werden häufig übersehen.

Am Mittwoch, dem 6. Februar 2019, machten die Schülergruppen aus Dänemark, Deutschland, Italien, den Niederlanden, der Türkei und Zypern einen gemeinsamen Ausflug nach Münster, um mit Hilfe von zwei Stadtführerinnen die Straßen rund um den Prinzipalmarkt zu erkunden, dabei immer wieder bewusst inne zu halten und genau hinzuschauen. Im Rahmen des Erinnerungsprojekts “The Power of Memory” interessierte vor allem der Vergleich der Essener Innenstadt, die nach dem Krieg überwiegend neu gestaltet worden war, mit der Münsteraner Altstadt, wo man sich für eine Rekonstruktion der alten Bausubstanz entschieden hatte. Architektur kann also im Rahmen von Stadtentwicklung zu einer ganz eigenen Form der Erinnerung werden.

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Foto: M. Franke, Erasmusausflug Münster, 2019

Zitat: Robert Musil, “Denkmale” (1927), in:  Nachlaß zu Lebzeiten – Kapitel 3. URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/nachlass-zu-lebzeiten-6941/3

Erasmustage in Essen zum Thema ‘Erinnerung’

“Wisst Ihr noch…?” –  “Ja, damals…!”.

Unsere Erinnerungen erscheinen uns manchmal lebendig wie ein Film, den wir vor unserem inneren Auge abspielen, gespeichert für alle Zeiten. In Wirklichkeit verändern Erinnerungen sich immer wieder, geben nur fragmentarische Ausschnitte des Geschehenen wieder, sind verzerrt oder schlicht ein Produkt unserer Phantasie.

Und wenn wir uns als Gesellschaft an die Vergangenheit erinnern? Können wir uns darauf verlassen, dass unsere Sicht auf die Geschichte die einzig richtige ist?

Vom 5. bis 7. Februar 2019 haben sich Schülerinnen und Schüler aus sechs Ländern an der Goetheschule Essen mit solchen und ähnlichen Fragen auseinandergesetzt. Gearbeitet wurde in sechs Gruppen zu folgenden Themen:

Memory – How It Makes Us Who We Are

Memory and History: Distortion, Manipulation or the Truth?

Cultural Heritage – a Multinational Comparison

Remembrance Cultures in Europe – All the Same? All Different?

Local, National, International Remembrance Culture Industries

1933–1945: European Cultural Heritage!?

Und woran wir uns in den Workshop-Pausen erinnern? Having fun together!


Bild 1: Franke, Erasmus Workshop 2019

Bild 2-8: Heup, Erasmus Workshops 2019

Erasmus 2019 in Essen

Die Vorbereitungen für das Erasmus-Projekt Post-factEUal. Transforming Europe from the 1930s to the Present laufen aktuell auf Hochtouren an der Goetheschule Essen. Vom 4. bis 8. Februar 2019 sind Gastschüler aus den Niederlanden, Dänemark, Italien, Zypern und der Türkei zu Gast im Ruhrgebiet. Das Host Committee um Frau Kildentoft kümmert sich darum, dass alle Gäste sich von Anfang an wohl fühlen. Sie haben nicht nur die Unterbringung in Familien, sondern auch den Transport vom Flughafen und die Begrüßung an der Schule organisiert. 

 

Alle Schülerinnen und Schüler werden gemeinsam das Thema “Erinnerungen in post-faktischer Zeit” beleuchten. Die deutsche Delegation hat bereits Material gesammelt zu Fragen wie “Was betrachten wir als kulturelles Erbe in Europa?”, “Wie beeinflussen uns Erinnerungen?”, “Wie lassen sich Erinnerungen manipulieren und kommerzialisieren?” und “Wie erinnern wir uns in Europa an die 1930er und 40er Jahre?”.

Die Dokumentation der Erasmuswoche in Wort und Bild wird das Presse-Team übernehmen. Und damit der Spaß nicht zu kurz kommt, bereitet das Party Committee mit Herrn Vögele ein Überraschungsprogramm vor, das allen Gästen am ersten Abend das Kennenlernen erleichtern soll.

 

 

 

 

Aus Zypern kommt inzwischen die Nachricht, dass der Projektlogo-Wettbewerb abgeschlossen ist. Alle sechs Länder haben an ihren Schulen den jeweils besten Entwurf ausgesucht und die Erasmus-Schüler haben online abgestimmt. And the winner is… Moritz Schüßler, Jgst. 10, von der Goetheschule. Seine Kunstlehrerin, Frau Bieniek, und Schulleiterin Dr. Nicola Haas überreichen ihm den Preis in Form eines Gutscheins für einen bekannten Online-Shop.