Am Samstag, dem 20.06.2026, besuchten wir mit der Geschichts-AG die Ausstellung “UnterTage. Unter Zwang.” auf Zeche Zollverein. Die Ausstellung handelt von der Zwangsarbeit im Ruhrgebiet während der NS-Zeit. Sie erzählt von den Menschen, die unter schweren Bedingungen arbeiten mussten und erklärt die Bedeutung der Zwangsarbeit für das NS-Regime. Außerdem geht es darum, wie nach dem 2. Weltkrieg mit diesem Thema umgegangen wurde und warum die Erinnerungen daran bis heute noch wichtig sind.

‘Die Menschen damals wussten nicht was passiert.’ – Wirklich?!?
Als wir durch die Ausstellung liefen, fiel uns besonders eine Karte mit damaligen
Zwangsarbeitslagern in Essen auf. Diese zeigte, dass es während des Nationalsozialismus allein in Essen mindestens 350 Arbeitslager gab. Diese Zahl hat und sehr überrascht und uns auch zum Nachdenken gebracht. Häufig wird behauptet, die Bevölkerung habe nichts von der Zwangsarbeit oder den unmenschlichen Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter gewusst. Angesichts der Hohen Anzahl an Lagern erscheint diese Aussage jedoch kaum glaubwürdig, denn die Lager waren über die ganze Stadt verteilt und befanden sich oft in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern, betrieben auf öffentlichen Straßen.

Besonders eindrucksvoll fanden wir das Zwangsarbeitslager an der
Hamburger Straße in Essen-Frohnhausen (1942). Auf dem Foto ist deutlich zu
erkennen, dass sich das Lager direkt gegenüber einer Wohnsiedlung befand. Die
Bewohner konnten die Baracken täglich sehen und mussten zwangsläufig beobachten,
wie die Zwangsarbeiter dort lebten. Die Ausstellung macht deutlich, dass die
Menschen unter katastrophalen Bedingungen untergebracht waren: Die Baracken waren überfüllt, hatten keine stabile Struktur und waren unhygienisch.
Man könnte dennoch argumentieren, dass die Zwangsarbeiter das Lager bereits in den
frühen Morgenstunden verließen und deshalb kaum jemand Kontakt zu ihnen hatte.
Doch auch diese Behauptung wird durch ein weiteres Ausstellungsstück widerlegt – Schuhe aus Holz, die viele Zwangsarbeiter tragen mussten. Diese Holzschuhe verursachten beim Gehen ein lautes Klappern, welches auf den Straßen großen Lärm gemacht haben muss. Besonders in den ruhigen Morgenstunden muss dieses Geräusch in den umliegenden Häusern gut zu hören gewesen sein. Die Ausstellung verdeutlicht damit, dass die Zwangsarbeiter im Stadtbild und im Alltag der Bevölkerung keineswegs unsichtbar waren.
Insgesamt hat uns diese Ausstellung besonders beeindruckt, weil sie zeigt, dass
die Zwangsarbeit nicht nur an abgelegenen Orten stattfand, sondern auch mitten in
der Stadt und damit im direkten Umfeld vieler Menschen. Dadurch wird deutlich, dass
viele Einwohner von der Existenz der Zwangsarbeiter wussten und Hinweise auf ihre
Lebensumstände gehabt haben müssen, auch wenn sie das Ausmaß ihres Leidens
vielleicht nicht vollständig kannten. Die Ausstellung regt deshalb dazu an, die oft gehörte Behauptung, die Bevölkerung habe “nichts gewusst”, kritisch zu hinterfragen.
Emilie Nousheri und Amelie Faghfouri, Jgst. 10