
Vom 6. bis 10. Juli 2026 bot Understanding Europe, ein europäisches Netzwerk für Demokratiebildung, unterstützt von der Schwarzkopf-Stiftung, eine Projektwoche zum Thema Klimagerechtigkeit für 19 Schülerinnen und Schüler der Jgst. 9 bis 11 an der Goetheschule an. Tom Steckelbruck (Zweiter von rechts) war einer der Trainer, der die Schülerinnen und Schüler während der Projekttage anleitete, die von Frau Gahmann, Frau Heup und Frau Lacroix begleitet wurden. Schulleiterin Dr. Nicola Haas (links) konnte sich zum Abschluss des Projekts ein Bild von den Ergebnissen machen, die die Schülerinnen und Schüler in Form von Modellen erarbeitet hatten.

Am ersten Tag wurde das Thema Klimagerechtigkeit aus globaler Perspektive betrachtet. Es ging um Greenwashing, die Praxis von Unternehmen und Organisationen, die sich fälschlicherweise ein umweltfreundliches Image geben, obwohl keine tiefgreifenden Veränderungen angestrebt werden, und die Frage, inwieweit der menschengemachte Klimawandel noch aufgehalten werden kann. Auch die Benachteiligung der Länder des globalen Südens beschäftigte die Schülerinnen und Schüler, da diese kaum CO₂ produzieren, aber unter den ökologischen Auswirkungen der Klimakrise und unter den wirtschaftlichen Folgen jahrzehntelanger kolonialer Ausbeutung leiden.

Am zweiten Tag wurde ein lokaler Fokus gesetzt. Die Schülerinnen und Schüler trafen Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerinitiative Klimagerecht mobil Werden. Bei einem Rundgang durch den Stadtteil erfuhr die Gruppe von den Anliegen der Anwohner, die sich beispielsweise seit Jahren für eine bessere Verkehrsführung und mehr Radwege in Werden stark machen.

Die Werdener Bürgerinnen und Bürger engagieren sich aber nicht nur politisch, sondern auch praktisch. Neben dem Brunnen an der Folkwang-Hochschule haben sie beispielsweise eine Pflanzaktionen durchgeführt, damit in Werden mehr Naschgärten mit Sträuchern und Beeren entstehen, die allen zugutekommen. Auch ein Trinkwasserspender ist auf ihre Initiative hin aufgestellt worden.

Ein Nachhaltigkeitsmanager sensibilisierte die Schülerinnen und Schüler beim weiteren Rundgang für die Erfordernisse nachhaltiger Stadtplanung. Dabei gilt es, die Bedürfnisse verschiedener Gruppen zu berücksichtigen. Von der Kühlung der Umgebungstemperatur durch alten Baumbestand profitieren beispielsweise alle. Die Anlage insektenfreundlicher Wiesen findet wiederum nicht jeder ansprechend, so dass mitunter Kompromisse gefunden werden müssen. Wege ohne geschlossene Teerdecke, auf denen Regenwasser versickern kann, sind unter Umweltgesichtspunkten sinnvoll, können aber zum Hindernis für Ältere oder Behinderte werden.

Nachdem die Schülerinnen und Schüler viele Anregungen bekommen hatten, wie man das eigene Viertel klimagerechter gestalten kann, ging es an den letzten beiden Tagen um die praktische Arbeit. Die Gruppe führte eigene Stadtteilanalysen in Rüttenscheid, Werden und der Essener Innenstadt durch. Dann wählten sie Orte, für die eine Klima-Anpassung nötig wäre und entwarfen eigene Konzepte. Im letzten Schritt wurden auf dieser Basis Modelle gebaut, wie beispielsweise der Entwurf eines Mehrgenerationenhauses in Werden.

Das Rüttenscheider Schwimmzentrum hat aus Sicht der Schülerinnen und Schüler viel Potential für die Errichtung einer Solaranlage, müsste aber auch deutlich mehr begrünt werden. 
Für das Einkaufszentrum am Limbecker Platz haben die Schülerinnen und Schüler einen ganzen Maßnahmenkatalog vorgesehen, der für mehr Sicherheit und Nachhaltigkeit sorgen soll, darunter eine bepflanzte Überdachung der Fußgängerzone, Fassadenbegrünung, ein neuer Straßenbelag und ein Wasserspeicher.

Den Essener Hauptbahnhof stellen die Schülerinnen und Schüler sich ebenfalls ganz anders vor. Sie vermissen unter anderem Radwege, Fahrradstellplätze, separate Busspuren und Wartebereiche mit Sitzgelegenheiten.


Hoffentlich wird Essen in Zukunft noch grüner und lebenswerter, wenn junge Menschen sich mit ihren Ideen einbringen. Wir bedanken uns sehr herzlich bei den Sponsoren, Trainern, Ehrenamtlichen und Experten, die diese Projekttage möglich gemacht haben. Die Workshops waren eine wichtige Vorbereitung auf die bevorstehenden Erasmustage zum nachhaltigen Städtebau, die Schülerinnen des Junior-Nachhaltigkeitsclubs im September nach Alessandria führen werden, wo sie ihr neu erworbenes Wissen in der Zusammenarbeit mit unserer italienischen Partnerschule, dem Liceo Scientifico Galileo Galilei di Alessandria, werden anwenden können.


