Jurassic Park in der Biologie

Bio? Mehr so Jurassic Park Light… 

Feuchte, warme Luft legt sich wie ein tropischer Schleier auf die Haut. Über sattgrünen Blättern glitzern Tautropfen im Licht, ein Wasserfall plätschert leise. Seltsame Pflanzen winden sich in schillernden Farben Richtung Decke, während zwischen wirrem Wurzelwerk bunte Krabben und wandelnde Zweige durchs Unterholz huschen. Es riecht nach Erde, nach Leben – fast wie ein Urlaub im fernen Paradies. Doch dieser Ort liegt nicht in Südamerika – auch keine Stunden im Auto – nur eine Tür entfernt.  

Terrarienbau in der Biologie

Mitten unter uns, im Raum N203 begann vor einem Jahr unsere Reise in die Tropen, die uns wohl nie mehr loslassen wird. Alles begann mit einem Unterrichtsprojekt. In Tischgruppen wurde uns die Aufgabe gestellt nach freien Kriterien und unseren eigenen Vorstellungen Terrarien für selbstgewählte, wirbellose Tiere zu kreieren. Zunächst nichts Ungewöhnliches. Ein Glaskasten, ein wenig Erde und ein paar Pflanzen aus dem Wald. Doch dann packte uns die Faszination, denn wir wollten nichts Normales machen, nicht einfach nur ein Deko-Terrarium fürs Klassenzimmer. Wir wollten etwas Einzigartiges schaffen. Ein echtes kleines Ökosystem, mit Tieren, Pflanzen, Wasser und Leben. Etwas, das wächst, sich verändert und bei dem man jeden Tag etwas Neues entdecken kann und so begann unsere nie endende Baustelle.  

Zunächst reichte noch eine große Ikea-Box. In dieser entstand über mehrere Wochen ein ganzer Wasserkreislauf mit einem kleinen See, Bachlauf, Wasserfall, Filter und Pumpe und das alles nur aus vielen kleinen Steinen, Aquaristik-Bauschaum und Haushaltsutensilien. Mit etwas Substrat und einigen tropischen Pflanzen konnte so auch schon der optimale Lebensraum für unsere Krabben gedeihen, doch damit das Klima auch passt, mussten wir noch einiges ergänzen. Mithilfe eines Lötkolbens und ein wenig Klebstoff sorgte nach kurzer Zeit eine Lampe im Deckel für optimales Licht, ein Ventilator für eine gute Belüftung und ein Heizstab für die richtige Temperatur.

Und warum nicht auch Aquarien?

Den Tieren und Pflanzen beim Wachsen und Gedeihen im eigenen Lebensraum zuzusehen war wunderbar, doch das reichte uns noch nicht. Wir brauchten mehr Wasser und so entstand aus einem weiteren Aquarium ein Anbau. In vielen Freistunden schnitten wir ein passendes Loch in das Glas, bauten einen Übergang und dichteten schließlich alles mit Silikon ab, um den zuvor noch verhältnismäßig kleinen See zu einem ganzen Meer für die Krabben zu verwandeln und dass diese ihren neuen Lebensraum auch schon nach wenigen Tagen vollständig beanspruchten, war der beste Lohn für all die Mühe. Zu diesem Zeitpunkt überstieg unser Einsatz schon jegliche Unterrichtsvorhaben, doch wir wollten immer noch mehr schaffen. Neben vielen weiteren, kleineren Terrarien wurde unser Interesse ebenfalls zunehmend von der Aquaristik geweckt, weshalb wir uns dazu entschieden, ein richtiges Aquarium zu entwickeln. Gesagt, getan – aus unserer Idee wurde schnell ein richtiges Guppy-Paradies mit neuen Pflanzen, kleinen Garnelen und sogar einem Blubber-Blasen-Vulkan, der das Ganze wie eine Unterwasserwelt aus einem Zeichentrickfilm wirken lässt.  

Biologische Vielfalt mit moderner Technik ins Klassenzimmer geholt

In all den Monaten haben wir mehr gelernt, als man aus jedem Schulbuch hätte ziehen können. Wir haben verstanden, wie empfindlich so ein kleines Ökosystem wirklich ist – und wie viel Aufmerksamkeit selbst die kleinsten Tiere brauchen. Manche von uns haben zum ersten Mal eine Spinne gefüttert oder dabei zugesehen, wie sich ein Riesentausendfüßler langsam häutet. Mit der Zeit wurden wir zu Experten für Luftfeuchtigkeit, Lichtverhältnisse und Temperaturzonen – und wir merkten schnell, was passiert, wenn man eines davon mal vergisst. Es gab Momente, in denen wir improvisieren mussten: wenn Technik ausfiel, Tiere plötzlich Nachwuchs bekamen oder Pflanzen völlig anders wuchsen als gedacht. Doch genau das machte unser Projekt lebendig – und mit jedem neuen Bewohner, jeder Pflanze und jeder Herausforderung wuchs nicht nur unser Terrarium, sondern auch unser Wissen, unsere Geduld und unser Staunen. 

Dieses Projekt bedeutete aber lange nicht nur Ökologie verstehen. Natürlich war es unbeschreiblich zu begreifen und zu erleben, wie die Dornschrecken schlüpfen, neue Blüten aufbrechen, Guppys ihre Farben entfalten und Krabben mit ihren kleinen Scheren Hafer fressen. All dies und noch vieles mehr machte das theoretische Wissen des Unterrichts absolut greifbar, doch das Projekt brachte auch viele andere Aspekte mit sich – Wie verbinde ich Glas und Plastik wasserdicht? Wie schneide ich Stahl und Glas erfolgreich? Wie erreiche ich Statik? Und wie löte ich Platinen, Stromquellen und Verbraucher funktionsfähig zusammen? Solche handwerklichen Herausforderungen waren ebenso Bestandteil des Projekts und brachten ganz neue Ebenen von Wissen mit sich. 

Heute erstreckt sich diese ganze Welt über Tische und Regale entlang der Klassenzimmerwand und umfasst noch unglaublich viel mehr. Jedes Terrarium ist eine Welt für sich, jedes Tier ein eigenes kleines Wunder und keine Pflanze gleicht der anderen. All die Erfahrungen, das Verständnis und Wissen über Lebewesen und ihre Lebensräume, welches wir uns für dieses Projekt aneigneten, ist unersetzlich und verdanken wir vor allem Herrn Kräling. 

Doch all diese Eindrücke sind nichts zur Realität. Ihr müsst es selbst erfahren, um dieses Gefühl nachzuvollziehen und auch ihr habt die Möglichkeit, eure Ideen mit in diesem Projekt zu verewigen, also kommt uns besuchen! 

 Benjamin Kräling